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Michel Le Tellier (1603–1685)

1. Herkunft

Michel Le Tellier erblickte am 19. April 1603 in Paris das Licht der Welt. Zum Zeitpunkt seiner Geburt zählten die Le Telliers nicht zu den führenden Familien Frankreichs. Seine Vorfahren hatten vor allem Positionen in der Staatsverwaltung ausgeübt, so war sein gleichnamiger Vater Rat am Steuergericht. Die Le Telliers waren ursprünglich Händler, hatten sich jedoch durch den Aufstieg im Staatsdienst Zugang zu lukrativen Ämtern gesichert. Auch Michel Le Tellier machte schnell Karriere und gehörte seit 1639 als Maître des requêtes dem Staatsrat an. Ein Jahr später ging er als Intendant der französischen Armee in das norditalienische Piemont.

2. Die Ernennung zum Minister

Bei seinem gesellschaftlichen und politischen Aufstieg profitierte Michel Le Tellier von nützlichen Verbindungen. So hatte er eine gute Beziehung zu Kardinal Jules Mazarin (1602 – 1661) aufgebaut. Letzterer war seit dem Tod Richelieus im Dezember 1642 der starke Mann in Frankreich. Mazarin ernannte seinen Anhänger (fidèle) Le Tellier am 11. April 1643 zum neuen Kriegsminister des Königreichs. Während seiner Zeit in Italien hatte Le Tellier Einblicke in das französische Heerwesen erhalten und wusste daher, wo der Schuh drückte. Als Mazarin während des Fronde-Aufstandes (1648 – 1653) unter Druck geriet, zeichnete sich Le Tellier durch unveränderte Loyalität gegenüber seinem Förderer aus.

3. Der Sturz Fouquets

Im Herbst 1661 wurden heftige Vorwürfe gegen den Finanzminister Nicolas Fouquet (1615 – 1680) erhoben. So soll er sich beispielsweise eine eigene kleine Armee aufgebaut und eine eigene Festung an einer strategischen Schlüsselstellung an der Loire unterhalten haben. Das machte Fouquet in Verbindung mit seiner Nähe zum Parlement zum potenziellen Anführer einer künftigen Fronde. Also schmiedeten König Ludwig XIV. (1638 – 1715) und Jean-Baptiste Colbert (1619 – 1683) einen Plan, um Fouquet zu beseitigen. An der Verschwörung gegen Fouquet beteiligte sich auch Michel Le Tellier. Der Plan ging auf und ein unvorbereiteter Fouquet wurde gestürzt. Fortan bildeten der neue Finanzminister Colbert, der Außenminister Hugues de Lionne (1611 – 1671) sowie der Kriegsminister Le Tellier ein Triumvirat mächtiger Minister.

4. Heeresreform I: Die Verpflegung der Soldaten

Als Kriegsminister reorganisierte Michel Le Tellier das Heerwesen in Frankreich. Um die im Feld stehenden Soldaten regelmäßig mit Kleidung und Lebensmitteln versorgen zu können, führte er Magazine ein. Dort entstand ein Reservevorrat, auf den dann im Ernstfall zurückgegriffen werden konnte, um die Truppen mit den nötigen Nahrungsmitteln, Kleidung sowie Futter für die Pferde zu versorgen. Seit 1643 entstanden auf seinen Befehl hin immer mehr Magazine. Sein Sohn und Nachfolger Louvois (1641 – 1691) sollte später das Magazin-System perfektionieren. Das Resultat war, dass Frankreich sehr große Armeen ernähren konnte.

Auch die Invaliden lagen Le Tellier am Herzen. Einige von ihnen wurden Klöstern zugewiesen, wo sie gepflegt wurden.

5. Heeresreform II: Die Organisation der Armee

Frankreich verfügte über ein stehendes Heer. Der Kriegsminister Le Tellier stellte sicher, dass dessen Soldaten selbst in finanziellen Krisenzeiten regelmäßig ihren Sold bekamen. Außerdem verbesserte er die Organisation in einem erheblichen Ausmaß. Wo zu Beginn noch eine einheitliche Uniform für die Soldaten fehlte, da vereinheitlichte Le Tellier Uniformen, Bewaffnung und Ausrüstung. Die Ausbildung und Disziplin der Soldaten wurde nun durch einen Generalinspekteur überwacht. Kasernen, Lazarette und Übungsplätze wurden in großem Maßstab errichtet. Hinzu kam noch eine modernisierte Ausbildung. Le Telliers Reformen waren ein voller Erfolg und die französische Armee wurde zum stärksten Heer auf dem europäischen Kontinent.

6. Le Tellier und Louvois

Michel Le Tellier hatte seinen Sohn Louvois schon in jungen Jahren als Nachfolger im Amt des französischen Kriegsministers auserkoren. Schritt für Schritt wurde Louvois an das Amt herangeführt. 1666 wurde Louvois schließlich zum Kriegsminister ernannt, musste sich jedoch bis 1677 noch seinem Vater Le Tellier unterordnen. Zwischen 1666 und 1677 hatte Frankreich also zwei amtierende Kriegsminister. Nach seiner Ernennung zum Kanzler von Frankreich (entspricht dem heutigen Justizminister) machte Michel Le Tellier schließlich Platz im Kriegsministerium und Louvois konnte dort ab 1677 alleine die Richtung vorgeben. Vorher hatten sich Vater und Sohn im Dezember 1668 die Kontrolle über das lukrative Postwesen gesichert.

7. Die Familie Le Tellier

Während der Ära des Sonnenkönigs zählten die Le Telliers zu den einflussreichsten Familien in Frankreich. Sie stellten zwischen 1643 und 1701 ununterbrochen den Kriegsminister. Mit Charles-Maurice Le Tellier (1642 – 1710) war ein weiterer Sohn von Michel Le Tellier seit 1671 als Erzbischof von Reims einer der führenden Geistlichen Frankreichs. Und Claude Le Peletier (1631 – 1711), ein Cousin Michel Le Telliers, war von 1683 bis 1689 Generalkontrolleur der Finanzen (Finanzminister). Die Familie Le Tellier war eines der beiden Machtzentren der französischen Politik in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

8. Die Rivalität zur Familie Colbert

Das andere Machtzentrum war die Familie Colbert. Die Colberts und die Le Telliers rivalisierten um Macht und Einfluss. Zwischen 1677 und 1683 herrschte ein Patt zwischen den Rivalen. Während sich Michel Le Tellier 1677 das Amt des Kanzlers für seine Familie sichern konnte, installierte Jean-Baptiste Colbert zwei Jahre später seinen Bruder Charles Colbert de Croissy (1629 – 1696) als Außenminister. Nach dem Tod Jean-Baptiste Colberts im Jahr 1683 schlug das Pendel zugunsten der Familie Le Tellier um. Seit 1683 stellte diese gleichzeitig den Kriegsminister (Louvois), Kanzler (Michel Le Tellier) sowie den Generalkontrolleur der Finanzen (Claude Le Peletier) und beherrschte somit die französische Politik.

9. Die letzten Jahre

1677 hatte Michel Le Tellier das Amt des Kanzlers von Frankreich übernommen. Als er sechs Jahre später schwer erkrankte, spekulierte Jean-Baptiste Colbert darauf, dass diese Position bald neu zu besetzen sei. Doch letztendlich starb Colbert noch vor seinem Rivalen Le Tellier. In seinen letzten Jahren setzte sich Michel Le Tellier für die Aufhebung des Ediktes von Nantes (1598) ein. Am 18. Oktober 1685 durfte er in seiner Funktion als Kanzler das königliche Aufhebungsedikt persönlich unterzeichnen. Michel Le Tellier verstarb keine zwei Wochen später am 30. Oktober 1685 in Versailles. Er war eine der prägenden Persönlichkeiten in der Ära des Sonnenkönigs.