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Der Bruder Ludwigs XIV. – Philipp von Frankreich, Herzog von Orléans

Fast genau zwei Jahre nach seiner Geburt bekam Ludwig XIV. einen Bruder: Philipp.

Philipp wurde am 21. September 1640 wie Ludwig in Saint-Germain-en-Laye geboren. Er war das zweite Kind und der zweite Sohn Ludwigs XIII. und Annas von Österreich.

Mazarin wusste, dass ein starker kleiner Bruder Ludwig einst gefährlich werden konnte. Er soll deshalb dahin gewirkt haben, Philipp keinesfalls so zu erziehen, dass er ein ernsthafter Anwärter auf den Thron werden könnte. Philipp wurde feminisiert. Man tat alles, um beim ohnehin feminin Veranlagten jegliche Zeichen der Männlichkeit zu unterdrücken. Man schenkte ihm Kleider und Schmuck en masse und tat, als sei er ein Mädchen.

Philipps Homosexualität

Philipp entwickelte sich zu einem Homosexuellen. Ludwig XIV. hinderte seinen Bruder überdies später daran, aktiv an der Politik und Regierung teilzuhaben. Frustriert gab sich Philipp allerlei Ausschweifungen hin. 1680 ging er so weit, eine veritable homosexuelle Bruderschaft zu gründen. Deren Erkennungszeichen war ein Mann, der eine Frau in den Staub tritt…

Philipp, der 1660 Herzog von Orléans wurde, war aber kein Totalversager. Er bewies sich als durchaus fähiger Feldherr. 1667 kämpfte er mit Auszeichnung in Flandern. 1677 ging er als Sieger aus der Schlacht von Cassel hervor und zwang Saint-Omer zur Kapitulation.

Die Ehen Philipps von Orléans

Philipp heiratete auch zweimal. 1661 zunächst die Schwester Karls II. von England, Henrietta Anne Stuart. Mit ihr zeugte er immerhin drei Kinder. Die Eheleute wurden indes nicht glücklich miteinander, und Henrietta Anne starb bereits 1670.

Ein Jahr später heiratete Philipp Liselotte von der Pfalz. Die Ehe war (wie auch die erste) arrangiert und führte zu drei weiteren Kindern. Dann reichte es Philipp. Er weigerte sich, seinen ehelichen Pflichten weiter nachzukommen.

Schulden, Tod und Testament

1701 starb der Bruder von Ludwig XIV. an den Folgen eines Hirnschlags. Philipps Testament war darin kurios, dass es seine Ehefrau Liselotte – im Gegensatz zu Verwandten und Freunden – nicht einmal erwähnte. Dieser Zug war umso charmanter, als Philipp zu Lebzeiten Liselottes komplette bewegliche Habe durchgebracht hatte. Nun denn, Ludwig XIV. und Liselottes Sohn, Philipp II., kümmerten sich um die Schwägerin beziehungsweise Mutter und verhalfen ihr zu einer angemessenen Rente.

Philipp I. war hochverschuldet dahingeschieden. Sein Schmuck musste verkauft werden. Juweliere aus ganz Europa machten sich auf nach Paris und fielen über die umfangreichste Schmucksammlung her, die bis dato jemals auf den Markt geworfen worden war.