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Die Literatur in der Ära Ludwigs XIV.

I. Die französische Klassik

Mit dem Start der persönlichen Regentschaft Ludwigs XIV. im Jahr 1661 begann eine Blütezeit der französischen Literatur. Insbesondere in der Zeit zwischen 1661 und 1685 sind einige der wichtigsten Werke in der Geschichte der französischen Literatur entstanden. Daher bezeichnet man diesen Zeitraum auch als Hochklassik. In der Regierungszeit des Sonnenkönigs nahm sowohl die Buchproduktion als auch die Anzahl der Leser deutlich zu. Das französische Theater erlebte mit Autoren wie Pierre Corneille (1606 – 1684), Molière (1622 – 1673) und Jean Racine (1639 – 1699) einen Aufschwung. Antike Stoffe und Motive waren en vogue. Zudem nahmen die Autoren das Verhalten ihrer Mitmenschen unter moralischen Gesichtspunkten unter die Lupe.

II. Die Geburt des modernen französischen Romans

La Princesse de Clèves gilt als erster moderner Roman in französischer Sprache. Die Autorin war die Madame de Lafayette (1634 – 1693), die das Werk im Jahr 1678 publizierte. Da der Roman anonym veröffentlicht wurde, wusste man lange Zeit nicht, wer der Verfasser oder die Verfasserin war. Die Hauptfigur des Romans ist eine junge Adelige, die zwischen ihren ehelichen Verpflichtungen und ihren eigentlichen Gefühlen hin- und hergerissen ist. Das Werk war auf Anhieb ein großer Erfolg und löste zahlreiche Diskussionen in den Pariser Salons aus.

III. Jean de La Fontaine und die Fabel

Jean de La Fontaine (1621 – 1695) verewigte sich mit seinen Fabeln im Kanon der französischen Literatur. 1668 wurden mit den Fables choisies die ersten beiden Bände mit den Fabeln von La Fontaine veröffentlicht. 1677 und 1679 erschienen weitere Bände mit seinen Fabeln. Zu seinen bekanntesten Fabeln zählen Die Grille und die Ameise, Der Rabe und der Fuchs, Der Löwe und die Maus sowie Der Fuchs und die Trauben. Die Vorlagen, auf denen de La Fontaines Fabeln basierten, stammten oftmals von Äsop. Letzterer war ein griechischer Dichter, der im sechsten vorchristlichen Jahrhundert gelebt haben soll.

IV. Pierre Corneille

Das französische Theater gewann in der Regierungszeit des Sonnenkönigs erheblich an Ansehen und Popularität. Einige der bedeutendsten französischen Dramatiker aller Zeiten waren in dieser Epoche tätig. Einer dieser Autoren war Pierre Corneille, der als Günstling des Kardinals Richelieu (1585 – 1642) seinen Aufstieg begann. Mit der Tragikomödie Le Cid etablierte sich Corneille als einer der führenden Autoren Frankreichs. In seinen letzten Lebensjahren lief ihm der jüngere Jean Racine den Rang ab. Corneille hat die nachfolgenden Generationen von Schriftstellern in Frankreich maßgeblich beeinflusst.

V. Tite et Bérénice

Tite et Bérénice (1670) ist eine Komödie aus dem Spätwerk Corneilles. Mit diesem Stück wollte Corneille zeigen, dass er noch immer ein Autor von Rang war. In den Jahren davor ist sein Rivale Jean Racine zum wichtigsten französischen Autoren aufgestiegen und hat ihn von der Spitze verdrängt. Die Handlung von Tite et Bérénice spielt im antiken Rom. Der römische Kaiser Titus (39 – 81) hatte sich in die jüdische Königin Berenike verliebt und wollte sie eigentlich heiraten. Aber die Beziehung stieß in Rom auf Ablehnung und Titus musste die Pläne aufgeben. Berenike verließ letztendlich Rom und ging ins Exil.

VI. Molière

Der als Jean-Baptiste Poquelin geborene Molière sorgte mit seinen Stücken dafür, dass die Komödie in Frankreich erheblich an Stellenwert gewann. 1658 durfte er sein Stück Der verliebte Arzt in Paris aufführen und konnte König Ludwig XIV. von sich überzeugen. Zuvor hatte Corneille ihm Zugang zu königlichen Kreisen verschafft. Der Sonnenkönig ließ Molière bis zu dessen Tod finanzielle Unterstützung zukommen. Jean Racine war zuerst der Protégé (1663 – 1665) und danach der Rivale (1665 – 1673) von Molière. Letzterer starb 1673 bei einer Aufführung seines letzten Werkes Der eingebildete Kranke.

VII. Der eingebildete Kranke

Der eingebildete Kranke ist eines der bekanntesten Stücke von Molière, der bei den ersten vier Aufführungen selbst die Hauptrolle spielte. Dabei handelt es sich um eines der bekanntesten Werke der französischen Literatur. Während der vierten Aufführung erlitt Molière am 17. Februar 1673 einen Blutsturz und starb noch am selben Tag. Die Hauptfigur Argan ist wider besseres Wissens fest von seiner Krankheit überzeugt. Die Ärzte bestärken ihn in diesem Irrglauben, da sie ihm teure Behandlungen andrehen können. In seinem Wunsch nach ständiger medizinischer Betreuung will Argan sogar seine Tochter Angélique mit einem Arzt verheiraten.

VIII. Jean Racine

Jean Racine sollte eigentlich Theologe werden, aber in jungen Jahren stellte er fest, dass er viel lieber Autor werden wollte und zog 1663 nach Paris, wo er Bekanntschaft mit Molière machte. 1667 feierte Racine mit Andromaque einen großen Erfolg und wurde mit dem berühmten Corneille verglichen. In den Jahren danach überflügelte er diesen und gewann mit Finanzminister Jean-Baptiste Colbert (1619 – 1683) einen mächtigen Förderer. Mit Phèdre (1677) verfasste Racine einen der Klassiker der französischen Literatur. Nach 1677 wandte er sich von den antiken Stoffen und Motiven ab und behandelte vor allem religiöse Themen.

IX. Phèdre

Phèdre wurde am Neujahrstag 1677 im Hôtel de Bourgogne in Paris erstmalig aufgeführt. Dabei handelt es sich um das vielleicht bekannteste Werk Jean Racines. Das Stück basiert auf Der bekränzte Hippolytos von Euripides. Darin wird beschrieben, wie der athenische Königssohn Hippolytos einer Intrige zum Opfer fällt. Die Amme Oenone, die das Ganze ins Rollen gebracht hatte, beging Suizid. Und Phädra, die Stiefmutter des Hippolytos, die sich geweigert hatte, ihn zu verteidigen, nahm sich am Ende auch das Leben. Übrig blieb nur der König Theseus, der seinen eigenen Sohn zum Tode verurteilt hatte.

X. Der Salon

In den zumeist von adeligen Frauen geführten Salons wurden die neuesten Bücher einem gebildeten Publikum vorgestellt. Hier trafen am kulturellen Geschehen interessierte Aristokraten auf die Vertreter des gehobenen Bürgertums. In den Salons wurden Brücken geschlagen zwischen der Welt der Intellektuellen und Schriftsteller auf der einen sowie der Welt des Hochadels auf der anderen Seite. Zu den bekanntesten Besitzerinnen von Salons zählen die Marquise de Rambouillet (1588 – 1655), Madeleine de Scudéry (1607 – 1701), die Marquise de Sévigné (1626 – 1696) sowie die Madame de Lafayette. Im Zuge der zunehmenden Gründungen von Salons nahm die literarische Tätigkeit von Frauen zu. Doch Kritik blieb nicht aus. Molière machte sich in seinem Stück Die lächerlichen Preziösen über die Salonkultur lustig.