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Jules Mazarin, der Kardinal des Sonnenkönigs

Kardinal Jules Mazarin (1602-1661) gehörte zu den bedeutendsten französischen Staatsmännern des 17. Jahrhunderts. Zusammen mit Königin Anna von Österreich (1601-1666) bestimmte er lange Zeit nicht nur die Erziehung des noch unmündigen Königs Ludwig XIV., sondern auch die französische Politik.

Mazarins Herkunft

Geboren wurde Jules Mazarin am 14. Juli 1602 im italienischen Pescina, das Teil des Königreichs Neapel war. Sein Vater Pietro Mazarini war als Hutmacher tätig und stammte aus dem sizilianischen Palermo. Nachdem er Konkurs gemacht hatte, begab er sich nach Rom. Dort gehörte sein Bruder dem einflussreichen Jesuitenorden an.

In der italienischen Metropole brachte es Pietro Mazarini bis zum Intendanten des Marc Antonio Colonna. Dieser sorgte für die Vermählung mit seiner Patentochter Ortensia Bufalini, die im Jahr 1602 schließlich ihren Sohn Jules zur Welt brachte. Darüber hinaus hatte Jules Mazarin noch einen Bruder und vier Schwestern.

Mazarins Kindheit und Jugend

Zwischen 1609 und 1619 suchte Jules Mazarin das Jesuitenkolleg in Rom auf. Dort wurde er im Alter von fünf Jahren als Wunderkind eingestuft, weil er nur wenig Zeit benötigte, um die Predigten auswendig zu lernen.

Als Mazarin 17 wurde, diente er als Kämmerer des Abbes Colonna und ging mit diesem an die spanische Universität Alcala. In Spanien absolvierte er an der Universität Salamanca ein Studium der Rechtswissenschaften. Allerdings wurde er dort mehr für sein leidenschaftliches Interesse für Würfel- und Kartenspiele bekannt.

Im Jahr 1622 avancierte Jules Mazarin in Rom zum Doktor. Zwei Jahre später begab er sich in die Dienste von Papst Urban VIII. und half päpstlichen Gesandten bei diplomatischen Angelegenheiten.

1634 begab sich Mazarin in die französische Hauptstadt Paris, in der er bis 1636 als Nuntius tätig war. 1640 trat er in den Dienst des mächtigen Kardinals Richelieu (1585-1642). Nur ein Jahr später schloss sich die Ernennung zum Kardinal an.

Mazarins Aufstieg

Die Jahre 1642 und 1643 brachten Mazarins Aufstieg in die französische Staatsspitze mit sich. Als am 4. Dezember 1642 Kardinal Richelieu verstarb, wurde Mazarin sein Nachfolger als regierender Minister.

Nur wenige Monate später, am 14. Mai 1643, starb auch der französische König Ludwig XIII., der seinen unmündigen Sohn, den vierjährigen Ludwig XIV. (1638-1715) hinterließ.

Als Regentin fungierte daher die Königin Anna von Österreich. Bereits am 18. Mai 1643 berief sie Mazarin in den Kronrat. So vertraute die Königin dem Kardinal, den sie bereits seit 1632 kannte, vorbehaltlos. Auf diese Weise agierten Mazarin und Anna von Österreich als eigentliche Machthaber Frankreichs. Dabei machten sie jedoch keinen Hehl daraus, dass der junge Ludwig XIV. der wahre König von Frankreich war. Am 7. September 1651 erklärten sie ihn für großjährig. 1654 folgte seine Krönung zum König. Mazarin blieb jedoch weiterhin im Amt.

Außenpolitische Erfolge

In der Außenpolitik konnte Jules Mazarin einige Erfolge verbuchen. So erzielte er 1648 im Rahmen des Westfälischen Friedens, der den blutigen 30-jährigen Krieg beendete, erhebliche territoriale Zugewinne für Frankreich und verschaffte dem Königreich mehr Einfluss in Europa.

Gleiches tat er beim Pyrenäenfrieden im Jahr 1659, durch den der französisch-spanische Krieg zu Ende ging, der bereits seit 1635 andauerte. Durch diese getroffenen Beschlüsse hatte Kardinal Mazarin Frankreich zur führenden Macht in Europa aufsteigen lassen.

Darüber hinaus sorgte er 1659 dafür, dass der deutsche Rheinbund, Schweden und die Niederlande unter französischen Einfluss gerieten.

Innenpolitik von Kardinal Mazarin

Wegen des 30-jährigen Krieges konnte Kardinal Mazarin innenpolitisch zunächst nur wenig bewegen. Dabei führte er die von Kardinal Richelieu begonnene Politik des Absolutismus weiter fort. So wurden u. a. die Rechte des obersten französischen Gerichtshofs eingeschränkt. Auch die feudalen Rechte des Hochadels stutzte er.

Als es 1648 zu bewaffneter Rebellion in Frankreich kam, reagierte Mazarin allerdings zu spät. So musste er zwei Mal ins Ausland fliehen, bis es er es 1653 vermochte, die Opposition, die sich aus hohen Richtern und Adligen zusammensetzte, niederzuringen.

Letztlich konnte er die Machtposition der französischen Krone jedoch nicht nur wiederherstellen, sondern sogar stärken.

Verhältnis zu Ludwig XIV.

Zu Ludwig XIV. unterhielt Kardinal Mazarin ein gutes Verhältnis. 1659 verliebte sich der junge König sogar in Maria Mancini, eine Nichte von Mazarin, was Anna von Österreich jedoch nicht gerne sah und ihren Sohn an die Staatsräson erinnerte.

Dabei erhielt sie Unterstützung von Mazarin, der Ludwig uneigennützig von einer Vermählung mit seiner Nichte abriet, sodass dieser schließlich zum Wohle Frankreichs die spanische Infantin Maria Theresia (1638-1683) ehelichte.

Kardinal Mazarins Vorliebe für Bücher

Eine große Leidenschaft des Kardinals war das Lesen von Büchern. Im Laufe der Jahre legte der Staatsmann eine umfangreiche private Bibliothek an, zu der über 5000 Bücher gehörten.

Nach Mazarins Tod gingen die Bücher an das Collège des Quatre Nations über, das in späteren Jahren zur ältesten öffentlichen Bibliothek von Frankreich wurde und als Bibliothèque Mazarine bekannt ist.

Durch Mazarin entstand auch ein Palais, das mehrere Sammlungen und Galerien beherbergte. Der Kirchenmann brachte es zu einem stattlichen Vermögen. So kamen ihm u. a. die Gewinne des Erzbistums Reims sowie von 60 Abteien zugute.

Letzte Jahre

Anlässlich des Pyrenäenfriedens erhielt Kardinal Mazarin 1659 von Ludwig XIV. eine Herrschaft im Oberelsass. Vom Herzog von Mantua kaufte er im gleichen Jahr die Herzogtümer Nevers und Rethel. Fortan trug er den Titel des Herzogs von Mayenne.

Am 9. März 1661 starb Jules Mazarin im Schloss Vincennes. Danach wurde das Amt des Ersten Ministers von Ludwig XIV. persönlich übernommen.