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Devolutionskrieg (1667 – 1668)

Devolutionskrieg
Die Belagerung von Dôle, Februar 1668, Gemälde von Adam Frans van der Meulen

1. Die spanische Hochzeit

Im Jahr 1659 beendete der Pyrenäenfrieden den Französisch-Spanischen Krieg.

Zu den Bestimmungen zählte unter anderem ein Ehebündnis zwischen den französischen Bourbonen und den spanischen Habsburgern.

König Ludwig XIV. von Frankreich (1638 – 1715) heiratete im Zuge dieser Vereinbarung Maria Teresa von Spanien (1638 – 1683). Letztere war die Tochter des spanischen Königs Philipps IV. (1605 – 1665).

Um möglichen Ansprüchen Ludwigs XIV. in Spanien einen Riegel vorzuschieben, wurde im Pyrenäenfrieden festgelegt, dass weder Maria Teresa noch ihre Nachkommen in den Ländern der spanischen Krone erbberechtigt wären.

Der spätere Sonnenkönig fühlte sich an diese Klausel jedoch nicht gebunden, da Spanien die hohe Mitgift nicht stemmen konnte.

2. Das Devolutionsrecht: Theorie

Nach dem Tod Philipps IV. am 17. September 1665 gerieten die Spanischen Niederlande in den Fokus.

Ludwig XIV. erhob nämlich Anspruch auf einen Großteil dieser Provinz, darunter Brabant, Antwerpen, Namur, Limburg, Cambrai, Artois, die Franche-Comté sowie das Herzogtum Luxemburg.

Dabei berief sich der französische König auf das Devolutionsrecht – daher heißt der sich aus diesen Ansprüchen ergebende militärische Konflikt auch „Devolutionskrieg“.

Aber was ist das Devolutionsrecht? Laut diesem privaten Erbrecht aus Brabant haben Töchter aus erster Ehe Vorrang vor Söhnen aus zweiter Ehe.

Für Ludwig XIV. war es in diesem Moment das perfekte Werkzeug.

3. Das Devolutionsrecht: Praxis

Ludwigs Ehefrau Maria Teresa von Spanien entstammte nämlich der ersten Ehe Philipps IV. mit Elisabeth von Frankreich (1602 – 1644). Maria Teresa war das einzige überlebende Kind aus dieser Beziehung.

Einen männlichen Erben erhielt Philipp IV. erst von seiner Nichte und zweiten Ehefrau Maria Anna von Österreich (1634 – 1696). Dieser wurde im Jahr 1665 als Karl II. (1661 – 1700) neuer König von Spanien.

Doch laut den Bestimmungen des Devolutionsrechts standen weite Teile der Spanischen Niederlande seiner Halbschwester Maria Teresa zu.

Darauf basierten die Forderungen Ludwigs XIV. – dass das Devolutionsrecht in rechtlicher Hinsicht schon lange obsolet war, ignorierte der König von Frankreich.

4. Der Kriegsverlauf

Um seinen Forderungen militärischen Nachdruck zu verleihen, ordnete Ludwig XIV. im Mai 1667 den Einmarsch französischer Truppen in den Spanischen Niederlanden an.

Die königlich-französische Armee wurde von Henri de la Tour d’Auvergne, Vicomte de Turenne (1611 – 1675) angeführt.

Frankreichs Streitkräfte waren hochüberlegen und der Historiker Bernd-Rüdiger Schwesig spricht daher von „einem militärischen Spaziergang durch Flandern“.

Bis Ende August 1667 waren bereits wichtige Festungen wie Charleroi, Tournai, Douai und Lille in die Hände der Franzosen gefallen.

Als dann im Februar 1668 auch noch französische Streitkräfte in die Franche-Comté einmarschierten, war der Devolutionskrieg zu Gunsten Frankreichs entschieden.

5. Das Eingreifen der Tripel-Allianz

In der Schlussphase des Devolutionskrieges spielte die Tripel-Allianz eine zentrale Rolle.

Deren Mitgliedern – England, Schweden sowie die Republik der Vereinigten Niederlande – bereitete die rasante Expansion Frankreichs Sorge.

Das Bündnis forderte die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen.

Ludwig XIV. sollte sich mit dem begnügen, was seine Truppen bis dahin erobert hatten. An den französischen König wurde ein Ultimatum gerichtet.

Wäre Ludwig XIV. nicht darauf eingegangen, dann hätte die Tripel-Allianz militärische Maßnahmen gegen Frankreich ergriffen.

Der König musste sich letztendlich dem Druck der Tripel-Allianz beugen und Frieden mit Spanien schließen.

6. Der Frieden von Aachen

Am 2. Mai 1668 unterzeichneten Frankreich und Spanien in Aachen einen Friedensvertrag.

Zwar musste Ludwig XIV. die von französischen Truppen besetzte Franche-Comté wieder an Spanien zurückgeben. Aber dennoch konnte Frankreich erhebliche Gebietsgewinne verbuchen.

Im Grenzbereich zwischen Frankreich und den Spanischen Niederlanden (heute: Belgien) wechselten zahlreiche Festungsstädte den Besitzer. So konnte Frankreich unter anderem Charleroi, Ath, Douai, Courtrai, Tournai und Lille in Besitz nehmen.

Auf die Inbesitznahme folgte die Befestigung. So errichtete der legendäre Festungsbaumeister Vauban (1633 – 1707) in Lille eine Zitadelle, deren Gouverneur er ab 1668 war.

7. Die Nachwirkung des Devolutionskrieges

Die Art und Weise, wie der Frieden von Aachen zustandegekommen war, hatte bei Ludwig XIV. Spuren hinterlassen.

Die Tripel-Allianz hatte ihn daran gehindert, die gesamten Spanischen Niederlande zu erobern.

Und da die Tripel-Allianz von der Republik der Vereinigten Niederlande angeführt wurde, richtete sich der Zorn des Sonnenkönigs gegen die Republik und deren Regierungschef Johan de Witt (1625 – 1672).

Ludwig XIV. war auf Rache aus und plante seinen nächsten Krieg – und zwar gegen die Republik der Vereinigten Niederlande.

In den Jahren nach 1668 bereitete der König mit gezielten außen- und wirtschaftspolitischen Maßnahmen die Revanche vor.