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Innenpolitik Ludwigs XIV.

I. Die Entmachtung des Parlements von Paris

Als Ludwig XIV. (1638 – 1715) im Jahr 1661 die Alleinregierung übernahm, war das Parlement von Paris eine potenzielle Einschränkung der königlichen Macht. Das Einzugsgebiet des Parlements umfasste ein Drittel des gesamten Königreichs. Bis 1673 schaltete Ludwig XIV. das Parlement als Machtfaktor aus. Seit 1665 durfte es nicht mehr über die vom König eingebrachten Gesetze debattieren. Zudem wurde die Abstimmung über die königlichen Gesetzesanträge verboten. Und 1673 verlor das Parlement das Recht, Gegenvorstellungen zu äußern. Zwischen 1673 und 1715 schwieg das einst mächtige Parlement. Ludwig XIV. war der einzige König von Frankreich, dem das gelang.

II. Versailles oder die Kontrolle des Adels

Seit dem Fronde-Aufstand (1648 – 1653) erblickte Ludwig XIV. in den führenden Angehörigen des Hochadels die potenziellen Anführer eines neuen Aufstandes gegen die französische Krone. Auch vor diesem Hintergrund konzentrierte der Sonnenkönig seit 1682 das Hofleben in Versailles. Ludwig XIV. benutzte das riesige Schloss als ein Instrument zur Kontrolle des Hochadels. Hier konnte er die potenziellen Rebellen täglich beobachten. Der Soziologe Norbert Elias (1897 – 1990) bezeichnete Versailles daher als „Überwachungsanstalt“. Statt gegen den König zu intrigieren, buhlte der Hochadel in Versailles um dessen Gunst. Die politische Macht des Adels war gebrochen.

III. Der Aufstieg des Bürgertums

Ludwig XIV. ließ dem Adel zwar seine ökonomische Machtstellung, aber er entmachtete ihn in politischer Hinsicht. Das dadurch entstandene Vakuum wurde durch das Bürgertum gefüllt. Vertreter des Dritten Standes stiegen nämlich zu führenden Positionen in Regierung und Verwaltung auf. Der Sonnenkönig rekrutierte seine Minister aus dem Bürgertum. Als Beispiele für diese Praxis kann man Michel Le Tellier (1603 – 1685) und Jean-Baptiste Colbert (1619 – 1683) anführen. Le Tellier war der Enkel eines Rentmeisters und Urenkel eines Notars. Colbert war der Nachkomme einer Tuchhändlerfamilie aus Reims. Sie und ihre Familien prägten die französische Politik für Jahrzehnte.

IV. Reformen im Finanzwesen

Der Aufstieg Colberts begann 1661. In diesem Jahr wurde der Generalkontrolleur der Finanzen Nicolas Fouquet (1615 – 1680) abgesetzt und verhaftet. Colbert trat dessen Nachfolge an und begann damit, die finanzielle Lage des Königreiches zu verbessern. Unter anderem ließ Colbert indirekte Steuern erheben. Seine Maßnahmen griffen und der Anteil der Steuereinkünfte, die tatsächlich beim König ankamen, erhöhte sich von 25 auf 80 Prozent. Ebenso konnte Colbert die Einnahmen des Staates in einem erheblichen Ausmaß steigern. Jedoch wurde seine Aufbauarbeit hinsichtlich der Verbesserung der französischen Staatsfinanzen seit 1672 durch die Kriege des Sonnenkönigs wieder zunichte gemacht.

V. Die Heeresreformen

Die französische Armee war während der Regierungszeit des Sonnenkönigs die stärkste in Europa. Die Kriegsminister Michel Le Tellier und dessen Sohn Louvois (1641 – 1691) waren dafür verantwortlich. Sie schufen ein stehendes Heer, das ständig kriegsbereit war und über eine außerordentliche militärische Disziplin verfügte. Im Zuge der Reformen erhielten die Soldaten eine Garantie, dass der Sold auch tatsächlich regelmäßig ausgezahlt wurde. Zur Verpflegung der Männer wurden Magazine eingerichtet. Und die militärische Infrastruktur wurde durch den Bau von Kasernen, Lazaretten und Übungsplätzen verbessert. Le Tellier und Louvois sorgten ebenfalls für einheitliche Uniformen und eine bessere Ausrüstung.

VI. Machtkämpfe und Intrigen

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts beherrschten die Familien Colbert und Le Tellier die französische Politik. Sie lieferten sich einen Machtkampf, in dem Ludwig XIV. die Rolle des Schiedsrichters spielte und die Machtbalance herstellte. 1683 schlug mit dem Tod Colberts das Pendel zugunsten der Familie Le Tellier um. 1691 starb Louvois und das Blatt wendete sich wieder zugunsten der Familie Colbert. Überhaupt war der Königshof ein Ort, an dem ständig Intrigen gesponnen wurden. Man konnte schnell die Gunst des Königs verlieren. Ein Beispiel hierfür ist der Sturz des Außenministers Simon Arnauld de Pomponne (1618 – 1699) im Jahr 1679.

VII. Der Gallikanismus

Das katholische Christentum ging in Frankreich in der Frühen Neuzeit einen Sonderweg. Diesen bezeichnet man als „Gallikanismus“. Seit 1516 durften die französischen Könige in Nordfrankreich die Bischofsstühle selbst besetzen. Als Ludwig XIV. 1673 diese Praxis auch auf Südfrankreich ausdehnen wollte, brach der „Regalienstreit“ aus. Der damalige Papst Clemens X. (1590 – 1676) und dessen Nachfolger wollten das nicht hinnehmen. Der Sonnenkönig reagierte 1682 mit den vier gallikanischen Artikeln. In diesen betonte die französische Kirche ihre Autonomie vom Papsttum. So beschränke sich die Macht des Papstes auf geistliche Fragen, und selbst bei diesen sei er auf die Zustimmung der gesamten Kirche angewiesen.

VIII. Die Verfolgung der Jansenisten

Innerhalb der französischen Kirche gab es mit dem Jansenismus eine Reformbewegung. Diese basiert auf der Lehre des Bischofs Cornelius Jansen (1585 – 1638) von Ypern. Laut der jansenistischen Lehre war der Gläubige der göttlichen Gnade vollkommen ausgeliefert und hatte keine Möglichkeit, seine Erlösung von den Sünden selbst herbeizuführen. In den Augen der katholischen Kirche des 17. und 18. Jahrhunderts war der Jansenismus eine Häresie. 1680 begann Ludwig XIV. mit der Verfolgung der Jansenisten. Das führte dazu, dass die Anhänger des Jansenismus verhaftet wurden. Einigen gelang die Flucht ins Ausland (zum Beispiel nach Brüssel).

IX. Aufstände gegen den Sonnenkönig

Im Jahr 1674 gärte es in Frankreich. Der Holländische Krieg hatte seit 1672 die französischen Staatsfinanzen in Mitleidenschaft gezogen. In der Folge wurden die Steuern zwecks der Kriegsfinanzierung erheblich erhöht. In der Normandie wollte Louis de Rohan (1635 – 1674) die Wut der Menschen nutzen, um einen Aufstand gegen die französische Krone anzufachen. Und in Südfrankreich wollte auf derselben Grundlage ein gewisser Sardan einen Aufstand gegen das absolutistische Königtum auslösen. Sowohl Rohan als auch Sardan strebten eine Republik nach niederländischem Vorbild an. In beiden Fällen wurde der Umsturzversuch rechtzeitig aufgedeckt und der Aufstand fand nicht statt.

X. Die Flucht der Hugenotten

Im Jahr 1598 sicherte das Edikt von Nantes den Hugenotten die Glaubensfreiheit zu. Doch in den Jahrzehnten danach wurde das Edikt immer mehr verwässert. 1685 hob Ludwig XIV. schließlich das Edikt auf. Im Zuge der Umsetzung dieser Entscheidung wurden alle protestantischen Kirchen in Frankreich zerstört, reformierte Kinder zur Taufe gezwungen und ein Ausreiseverbot gegen die Hugenotten verhängt. 170 000 Hugenotten ergriffen trotzdem die Flucht und fanden in England, den Niederlanden und Brandenburg-Preußen eine neue Heimat. Mit den Hugenotten ging Frankreich viel Wirtschaftskraft verloren. Der Protestantismus konnte in Frankreich bis 1787 nur noch heimlich praktiziert werden.

XI. Die Giftaffäre

Die Giftaffäre (affaire des poisons) war einer der großen gesellschaftlichen Skandale während der Regierungszeit des Sonnenkönigs. Im Jahr 1676 wurde Marie-Madeleine de Brinvilliers (1630 – 1676) hingerichtet, nachdem sie zuvor ihren Vater und ihre Brüder hatte vergiften lassen, um an die reiche Erbschaft ihrer Familie zu gelangen. Daraufhin setzte Ludwig XIV. den Cour des poisons (1677 – 1680) ein. Dessen Ermittler richteten ihren Fokus schnell auf den Königshof, da sich dort in den Jahren davor mehrere „merkwürdige“ Todesfälle ereignet hatten. Im Zuge der Ermittlungen wurden zahlreiche Angehörige des Hochadels verhaftet oder mussten ins Exil gehen.