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Die Fronde (1648-1653)

Aufstände und Proteste sind die Konstante in der Geschichte Frankreichs.

Dramatische Ereignisse wie der Sturm auf die Bastille (1789), der Aufstand der Pariser Commune (1871), die Studentenproteste im Mai 1968 oder auch die aktuellen Demonstrationen der „Gilets Jaunes“ haben die gesellschaftliche und politische Entwicklung Frankreichs nachhaltig geprägt.

Vor allem die Französische Revolution von 1789 hat sich in das historische Gedächtnis eingeprägt.

Doch bereits 140 Jahre vor der Französischen Revolution hat ein langjähriger Aufstand Frankreich erschüttert: die Fronde.

Hintergrund I: massive Steuererhöhungen

Warum kam es überhaupt zu diesem Aufstand?

Die Menschen in Frankreich waren wütend aufgrund von massiven Steuererhöhungen, die erhoben wurden, um die enormen Kriegskosten stemmen zu können.

Die Wut der französischen Bevölkerung wurde zusätzlich noch durch den Umstand vergrößert, dass die reichsten und privilegiertesten Franzosen nicht davon betroffen waren.

In der Folge musste der Dritte Stand die Kriegskosten und Steuererhöhungen alleine tragen.

Das rücksichtslose Vorgehen der Steuereintreiber ließ die Empörung noch weiter ansteigen.

Hintergrund II: Der Französisch-Spanische Krieg (1635 – 1659)

Der Krieg, der durch die massiven Steuererhöhungen finanziert wurde, war der Französisch-Spanische Krieg.

Bereits vor dem Kriegsausbruch im Jahr 1635 bestanden Spannungen zwischen den beiden Großmächten.

Der konkrete Anlass für die französische Kriegserklärung am 19. Mai 1635 war die Gefangennahme von Philipp Christoph von Sötern (1567 – 1652).

Der Erzbischof hatte sich drei Jahre zuvor dem Schutz Frankreichs unterstellt.

Als Spanien seine Freilassung verweigerte, begannen die Kampfhandlungen.

In der Anfangsphase lagen die Vorteile bei Spanien, doch spätestens nach dem Sieg in der Schlacht von Rocroi (19. Mai 1643) hatte Frankreich die Oberhand.

Hintergrund III: Der unmündige König

Einer der Gründe, warum die Fronde gerade im Jahr 1648 losbrach, war die Tatsache, dass Frankreich zum damaligen Zeitpunkt über einen minderjährigen König verfügte.

Die Anführer des Aufstandes rechneten sich dadurch größere Erfolgschancen aus.

König Ludwig XIII. (1601 – 1643) war am 14. Mai 1643 im Alter von nur 42 Jahren verstorben.

Sein Sohn und Nachfolger Ludwig XIV. (1638 – 1715) war gerade einmal vier Jahre alt, als er neuer König wurde.

Da der spätere Sonnenkönig unmündig war, übernahm dessen Mutter Anna von Österreich (1601 – 1666) die Regentschaft.

Überdies lenkte der Kardinal Jules Mazarin (1602 – 1661) als Premierminister die französische Politik.

Die Anfänge der Fronde

Die Fronde begann offiziell im Mai 1648, als das Parlement von Paris Maßnahmen vorschlug, die das französische Königtum in seinen Rechten beschnitten hätten.

Hierzu muss man wissen, dass der Kardinal Richelieu (1585 – 1642) in seiner Zeit als Premierminister die Machtposition der Krone auf Kosten des Hochadels stärkte. So überrascht es wenig, dass sich hochrangige Adelige an die Spitze der Fronde setzten.

In diesem Zusammenhang kann man zum Beispiel Louis II. de Bourbon (1621 – 1686) erwähnen, besser bekannt als „Le Grand Condé“. Hatte er im März 1649 noch einen Friedensvertrag zwischen Krone und Parlement ausgehandelt, so stellte er sich schon bald darauf gegen die Krone.

Der Aufstand eskaliert

Und Condé war nicht alleine. Auch sein Bruder, der Fürst von Conti (1629 – 1666), und sein Schwager, der Herzog von Longueville (1595 – 1663), schlossen sich dem Aufstand an.

Als diese drei hochrangigen Adeligen im Januar 1650 auf Befehl Mazarins hin verhaftet wurden, entflammte die Fronde von neuem.

Die Anhänger der inhaftierten Adeligen gingen nun ein Bündnis mit dem Parlement von Paris ein.

Der Druck, der durch die folgenden Unruhen entstand, zwang Mazarin im Februar 1651 zur Freilassung der drei Männer.

Paris in der Gewalt der Aufständischen

Die Aufständischen hatten nun eindeutig die Oberhand.

Mazarin wurde aus Frankreich vertrieben und lebte als Exilant in Brühl (zwischen Köln und Bonn).

Auf dem Höhepunkt ihrer Macht hatte die Fronde im Jahr 1651 sowohl Paris als auch die königliche Familie unter ihrer Kontrolle.

Die Frondeure erzwangen sich sogar Zugang zum Schlafzimmer des jungen Königs.

Doch die Erfolge der Fronde waren nicht von Dauer. Das Bündnis zwischen dem Parlement von Paris und den Fürsten Condé, Conti und Longueville zerbrach nach kurzer Zeit wieder.

Mazarin hatte vom rheinischen Exil aus gezielt Misstrauen zwischen den Anführern der Fronde geschürt.

Die Fronde wird niedergeschlagen

Zu Beginn des Jahres 1652 entzog sich König Ludwig XIV. der Kontrolle durch die Aufständischen und traf in Poitiers wieder mit Kardinal Mazarin zusammen.

Zur selben Zeit wendete sich das Blatt zugunsten der Krone, denn im Februar 1652 übernahm Henri de Turenne (1611 – 1675) das Kommando über die königlichen Truppen.

In der Schlacht von Faubourg Saint-Antoine errang Turenne am 2. Juli 1652 den entscheidenden militärischen Sieg über die von Condé angeführten Aufständischen.

Condé ging im September 1652 sogar ein Bündnis mit dem Kriegsgegner Spanien ein. Dennoch war die Fronde militärisch geschlagen, und Condé zog sich noch im Oktober aus Paris zurück.

Ludwig XIV. und Mazarin kehren nach Paris zurück

Die Krone hatte auf ganzer Linie gesiegt, und am 21. Oktober 1652 zog König Ludwig XIV. in Paris ein.

Das Parlement von Paris, das eine Schlüsselrolle bei der Fronde eingenommen hatte, wurde entmachtet und durfte sich fortan nicht mehr mit Staatsangelegenheiten beschäftigen.

Mazarin wurde vom König als Premierminister bestätigt und kehrte am 3. Februar 1653 ebenfalls in die französische Hauptstadt zurück.

Bis zum Sommer 1653 wurde auch noch der letzte Widerstand in den Provinzen niedergeschlagen. Damit war die Fronde endgültig beendet.

Epilog

Ludwig XIV. zog aus der Fronde die Lehre, dass er die führenden Vertreter des Hochadels zu jeder Zeit im Auge behalten musste.

Daher konzentrierte er den französischen Hochadel ab 1682 in Versailles, wo er die potenziellen Anführer einer neuen Fronde unter seiner Kontrolle hatte.

Der Adel verlor an politischer Macht und stellte bis zum Tod des Sonnenkönigs keine Gefahr mehr für die Macht des Königtums dar.

Selbiges galt für das Parlement von Paris.

Der Absolutismus des Sonnenkönigs war auch eine Reaktion auf die traumatische Erfahrung der Fronde.